Warum Comics beim Möbelbau helfen

Ein älterer Couchtisch aus Glas musste letztes Jahr weichen, als ich einen schönen Marmor-Tisch von Stefan bekam. An dieser Stelle nochmal Danke für den Tisch! :-) Leider wurden etliche Abplatzungen immer schlimmer, so nicht einmal ein Jahr später auch dieser leider weichen musste. Nach einiger Zeit gänzlich ohne Couchtisch war klar: es muss wieder einer her.

Nach diversen Sackgassen wie allseits bekannte Möbelhäuser waren mir zwei Dinge klar: ich möchte echtes Holz und keine furnierten Sägespäne. Andererseits soll es auch kein Vermögen kosten. Ergo: selber machen!

Zuschnitt

Zum Material: 28mm starkes Buchenholz für die Tischplatte aus Leimholz musste her, idealerweise hätte ich auch gerne Kantholz aus Buche für die Tischbeine gehabt, gabs aber nicht. In Ermangelung von Douglasie oder gar Kiefer gabs dann eben die gute alte Fichte. Das ganze sollte später schön dunkel sein, damit es zur (dunkelbraunen) Couch passt, ergo gabs noch eine Dose braunes Hartöl.

Meine Befürchtung, dass die beiden unterschiedlichen Holzsorten später deutlich zu sehen sind, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Vom Design her sollte der Tisch schlicht und nicht zu niedrig sein (50-60cm – eher 60cm hoch) und ich wollte unbedingt die Stirnseite der Tischbeine oben sehen. Das ist dann auch die einzige Besonderheit am Tisch, die wie man später noch sieht den Zusammenbau stark vereinfacht. Zu sehen sind im Zuschnitt bereits die dafür ausgesägten Ecken bei beiden Tischplatten.

Ein Tag ging alleine zum Zuschneiden der Kanthölzer, dem Teilen der 120x80cm großen Buchenplatte in zweimal 60x80cm und dem Abschleifen mit dem Exzenterschleifer drauf. Erkenntnis nebenher: Es ist schön, eine Stichsäge zu haben, die Holz mit bis zu 50mm Dicke schneidet – wenn man sich 80x80mm dickes Kantholz gekauft hat. Glücklicherweise hatte ich aber noch eine alte Handsäge für Holz da. Für schön runde Kanten sorgte dann noch eine Oberfräse – perfekt! :-)

Nach dem ersten Hartölauftrag

Insgesamt zweimal habe ich Hartöl aufgetragen, wobei das Kantholz – obwohl ordentlich geschliffen – deutlich weniger Öl aufnahm als die Buchenplatte. Laut diverser Tipps ist es bei Holzöl kritisch, nach wenigen Minuten das überflüssige Öl penibelst abzunehmen und zu verreiben. Gelang mir ganz gut, möchte ich behaupten. Der zweite Schliff mit 240er Papier war dann schon sehr glatt und der zweite Schwung Hartöl “stand” schon fast etwas auf der Oberfläche. Nochmals musste die Oberfläche dann nach dem Trocknen nicht mehr geschliffen werden – ist schön seidig glatt geworden.

Mit dem Zusammenbau habe ich lange überlegt, wie ich das am besten mache. Schließlich fand ich die Lösung ebenso elegant wie genau. Und siehe da: es wackelt nichts und beide Flächen sind absolut im Lot.

Gerade mit Werkzeugkoffern und .. Comics!

In meiner Wohnung sind sogar die Böden schief und krumm, so dass ich erst einmal meinen Tisch ins Lot bringen musste, aber dann war die Lösung so simpel wie exakt: die untere Tischebene legt man auf so auf Gegenstände wie z.B. eine Bierkiste oder in meinem Fall auf zwei Bosch-Werkzeugkoffer. Wichtig ist, dass die darauf gelegte Platte gerade liegt. Nun kann man die vier Tischbeine mit je zwei 10mm Dübel von der Seite her ausrichten und anbringen. Dadurch setzen später die vier Tischbeine perfekt auf dem Boden auf und es wackelt nichts.

Dann stapelt man mit weiteren Werkzeugkoffern und Katalogen – oder wie bei mir mit alten Comics (!) weiter auf, so dass die oberere Tischplatte exakt mit den Tischbeinen abschließt. Da die Stirnseite der Tischbeine nach oben sichtbar sein soll und damit die Ecken bei beiden Tischplatten ausgesägt wurden, wird auch diese Platte über seitliche Dübel mit den Tischbeinen verbunden.

Führungshilfe für Dübellöcher

Sehr geholfen hat mir ein Stück der Buchenplatte, in das ich per Dübelhilfe ein gerades Loch gebohrt habe und damit dann gerade Dübellöcher in die Platten wie auch die Kanthölzer bohren konnte. Aus der Hand heraus funktioniert das zumindest bei mir nicht! Diese Hilfsführung habe ich zuvor dafür verwendet, die Dübellöcher in den ausgesägten Ecken der Platten zu bohren.

Außerdem gibt es Dübelpicker (die heißen sicher anders, erinnere mich nur gerade nicht), die kosten keine zwei Euro und waren eine echte Hilfe! Diese steckt man einfach in die Dübellöcher des einen Werkstücks und piekst damit in das andere Werkstück ein – schon hat man die Mitte für den Holzbohrer deutlich markiert vor sich.

Die Tischbeine waren nicht hundertprozentig gleichlang, da ich sie mit einer Handsäge sägen musste, aber das fällt am Ende eigentlich nicht auf. Klar, wenn man selber weiß, welches Tischbein oben einen Millimeter mehr herausragt, wird man es immer sehen. Aber ich sah jetzt nicht ein, mir extra noch eine Tischkreissäge oder eine Kapp- und Gehrungssäge dafür zu kaufen.

Unterm Strich war es mehr Arbeit als gedacht, aber ich denke, das Ergebnis spricht für sich.

Es sieht super aus; ich weiß, was für Materialien und insbesondere was für Hartöl verwendet wurde (bio! und sogar lebensmittelecht); die Materialien kosteten unter 100€ und es ist selbst gebaut und hat definitiv Spaß gemacht! :-)

Okay, die günstigen 100€ werden von den Werkzeugen überschattet, die ich für diesen Tisch gebraucht hatte. Aber genau dafür – und für kommende Projekte – habe ich mir das Werkzeug gekauft. Da wären ein Schlagbohrschrauber, ein Exzenterschleifer mit 125mm Teller, eine Stichsäge, eine Oberfräse samt Fräser (für das Abrunden der Kanten) und diverses, übliches Werkzeug und Verbrauchsmaterialien wie Hammer, Klemmen, Anschlagwinkel, Wasserwaage, Dübel, Holzleim sowie für die Sicherheit Gehörschutz, Schutzbrille und Absauger für den Exzenterschleifer.

Apropos Werkzeug: ich bin immer noch der Meinung, dass man mit einer Stichsäge auch gerade Schnitte mit einer geraden Schnittfläche hinbekommt (mit dem T144DP Sägeblatt). Es hilft hier ungemein, ein ordentliches Set an verschiedenen Holzsägeblättern zu haben. Aber irgendwann kommt wohl doch noch eine ordentliche (Tisch- oder Kapp/Gehrungs-) Kreissäge dazu. :-)

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