Quo Vadis, Blog?

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Über die letzten Jahre habe ich dieses Blog gerne genutzt, um über so manches, für mich interessantes Thema zu schreiben. Und natürlich, um meine Fotos zu zeigen. Kommerzielle Absichten gab es nie, Geld habe weder direkt (kostenpflichtiger Inhalt) noch indirekt (Werbung) damit verdient. Ich habe nicht einen Cent an Einnahmen durch den Blog gehabt. Es ging also rein um den Spaß an der Freud‘.

Mit der Zeit kam dann die Impressums-Pflicht und die wenig sinnvolle Pflicht zum Cookie-Hinweis hinzu. Alles kein Problem, doch mit der neuen DSGVO wird es aus meiner Sicht immer schwieriger, einen privaten Blog zu betreiben. Dabei geht es weniger um technische Umsetzungen sondern um die rechtliche Sicherheit, insbesondere auch um den Schutz vor Abmahnungen. Es ist also soweit, dass man ohne rechtlichen Beistand nur noch schwer einen privaten Blog überhaupt betreiben kann. In der Folge geben derzeit viele Blogbetreiber auf und löschen ihren Blog. Ehrlich gesagt bin ich auch kurz davor.

Was bleibt einem übrig? Nun doch zu Facebook, 500px & Co gehen? Um genau das zu vermeiden, habe ich diesen eigenen Blog überhaupt erst aufgesetzt. Ein bitteres lächeln entsteht trotzdem, gerade weil ich noch einen Artikel bei Heise im Hinterkopf habe, in dem die mangelnde Diversität an Anbietern im Internet als kritisch angesehen wurde: das Internet würde sich nur noch auf wenige, große Anbieter konzentrieren und damit ginge die ursprüngliche Idee des Internets verloren. Eine DSGVO ist der Lösung dieses Problems aber nicht gerade zuträglich.

Was genau sind die Schwierigkeiten? Einerseits möchte die DSGVO Besuchern einer Website einen besseren Datenschutz und Privatsphäre bieten. Andererseits geht das soweit, dass ich als Betreiber nichtmal mehr die IP eines Besuchers speichern darf, denn diese wird nun durch die DSGVO geschützt. Diese brauche ich aber systembedingt um Angriffe gegen den Server zu vermeiden und auch, um den ganzen Spam in Form von Kommentaren aus meinem Blog zu halten.

Genauer gesagt wird dabei u.a. die IP des Kommentators mit einem externen Dienst abgeglichen und sollte die IP dann als bekannte Spammer-IP erkannt werden, landet der Kommentar gleich im Spam-Ordner. Eine sehr effektive Methode, die auch euch als Besucher dieses Blogs vor Fake-Kommentaren – teils mit verschiedenen Angriffsvektoren nicht nur in Richtung meines Servers sondern auch eures Computers – effektiv fernhält.

Das darf ich nun im Rahmen der DSGVO nicht mehr – freuen wird es nur Spammer, so dass ich am Ende wieder mehr Arbeit habe, Kommentare vor der Freischaltung zu prüfen. Für die reine Statistik gibt es bereits ein Tool, welches u.a. die IP anonymisiert speichert, das wäre unkritisch. Auch wenn es in meiner Datenschutzerklärung genannt ist, wurde Google Analystics, Social Sharing Buttons (Facebook, Twitter, G+, etc.) nie eingesetzt und wird auch nie eingesetzt.

Kommentare ist dann wieder ein ganz problematisches Feld. Gut, ein Häkchen vor Absenden eines Kommentars, dass der Absender mit der Speicherung der gemachten Daten (Name, EMail, ggf. Website und eben auch dem Text) einverstanden ist, ist technisch kein Problem. Klingt aber schon irgendwie sinnlos, oder? Man muss zum Absenden eines Kommentars nochmal extra bestätigen, dass man mit dem Speichern des Kommentars einverstanden ist. Gehts noch?! Aber so will es nunmal die DSGVO.

Auf der anderen Seite soll nun doch wieder die Vorratsdatenspeicherung eingeführt werden und ginge es nach den Grünen, sollte Anonymität im Internet gleich ganz abgeschafft werden (so äußerte sich vor einiger Zeit mal Frau Künast dazu). Der Gesetzgeber sammelt also kräftig Daten, aber ich als Blogbetreiber darf die IP eines Kommentators nicht einmal gegen einen Anti-Spam-Dienst abgleichen. Das wäre so, als dürfte ich mir keine Kennzeichen mehr merken, auch wenn es nur dafür gedacht ist, sich einen merkwürdig parkenden PKW neben mir zu merken, falls ich später Schrammen an der Seite meines Autos vorfinde…

Es gibt da noch weitere Punkte, manche für mich mehr relevant als andere. Aber unterm Strich bleibt die Tatsache, dass man selbst als Betreiber eines nicht-kommerziellen, privaten Blogs fast immer mit einem Bein im Knast steht und ich schwanke daher, ob ich zum 25. Mai diesen Jahres den Blog komplett abschalte.

Ehrlich gesagt stößt es mir recht sauer auf, dass ich somit vom Gesetzgeber dazu gezwungen werde, Inhalte, die ich bereit stellen möchte, bei großen Anbietern mit einem – wie man immer wieder in den Nachrichten liest – ungerechtfertigten Vertrauensvorschuss einstellen muss.

Sollten sich bis zum 25.05. klare Richtlinien für meinen Blog ergeben (ohne das ich dafür einen Anwalt beauftragen müsste), mache ich weiter. Bleibt das jedoch unklar, werde ich diesen Blog sowie alle weiteren abschalten. :-(

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Das Artikelfoto stammt von der FaRK 2017.