Kleiner Test diverser Feature Phones (Update 28.01.2018)

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Aus diversen Gründen möchte ich mir ein Feature Phone zulegen – eines zum telefonieren und selten mal SMS schreiben.

Meine Kriterien: gute Akkulaufzeit – “wie früher”, also mindestens mal eine Woche, mit ordentlicher Tastatur, gute Haptik – also robust und nicht billig-wirkend. Gute Gesprächsqualität sowie Bluetooth für Headsets und zur Übertragung von Kontakten sollte selbstverständlich sein. Eine Kamera ist hingegen weniger wichtig. Im Preisbereich bis 100€.

Mit diesen Kriterien findet man online nur noch Handys im Billigbereich bis 40€ – oder eben Seniorenhandys. Letzere zeichnen sich durch große Tastaturen, vereinfachte Bedienung, hohe Lautstärken und meist zusätzlicher SOS-Taste aus.

Diese Negativpunkte sollten nicht sein: überteuerte Rentnerhandys mit stark eingeschränktem Funktionsumfang, inakzeptable Akku-Laufzeiten, miese Verarbeitungsqualität, insbesondere zu schwache Scharniere bei Klapphandys.

Folgende Handys habe ich daher mal aus Auswahl bestellt:

  • Nokia 130
  • Amplicomms M7000i
  • Doro PhoneEasy 5030
  • Doro PhoneEasy 609
  • Doro PhoneEasy 613
  • Doro Primo 414
  • Emporia Euphoria V50
  • Emporia TellMe X200
  • Nokia 130
  • Panasonic KX-TU339
  • Update 28.01.2018: zusätzlich Nokia 3310 3G

Sie müssen sich mit einem alten Klassiker vergleichen lassen: meinem Nokia 6310i von 2002. Das läuft immer noch wie am ersten Tag, sogar mit dem gleichen Akku.

Da es aber mittlerweile nicht mehr so dolle aussieht, bekommt es in Kürze eine neue Oberschale und auf Verdacht hin doch mal einen neuen LiPo-Akku spendiert. Dann läuft es weitere 16 Jahre. ;-)

Meine Eltern haben als Handys noch recht alte Schinken, ergo schreibe ich zu den Handys nicht nur aus meiner, sondern auch aus ihrer Sicht etwas.

Das Nokia 130 ist kein Seniorenhandy und bietet daher für die oben beschriebenen Punkte für Senioren nicht an. Im Gegenteil: wie alle aktuellen Feature Phones von Nokia (Nokia 105, 130, 150, 230) setzt es auf eine 4-Wege-Wippe mit Mittelknopf. Das ist schon arg frickelig und nichts für große Finger. Für mich persönlich grenzwertig, aber benutzbar. Für ältere Menschen eher nix.

Dafür lässt es sich per Bluetooth mit Freisprecheinrichtungen verbinden, darunter auch einem Bose Soundlink II BT-Lautsprecher. Dieser bietet auch ein Mikrofon, so dass Gespräche problemlos darüber geführt werden können. Bei eingehenden Anrufen werden jedoch keine Namen sondern nur Nummern am BT-Lautsprecher ausgegeben (Vorlesen der Nummer geschieht über die Sprachausgabe des Bose Lautsprechers und nicht als Audiosignal des Handys). Das wird in Rezensionen auch oft bei Freisprechanlagen in Autos bemängelt. Hier hilft nur der Blick aufs Handy-Display. Außerdem verbindet sich das Nokia 130 nach einer Unterbrechung nicht automatisch von selbst mit dem bereits gekoppelten BT-Lautsprecher (oder dem Autoradio).

Nebenbei kann es recht passabel Musik von einer MicroSD-Karte (lt. Anleitung bis 32 GB) abspielen. Auch wiederum per BT-Lautsprecher. Abends damit vorm Einschlafen noch etwas Musik oder ein Hörspiel hören geht auf jeden Fall. Sofern die Musik als kopierschutzfreie MP3-Dateien vorliegt.

Laden lässt es sich per Micro-USB Anschluß entweder über das mitgelieferte Ladenetzteil oder per zusätzlichem Kabel über jeden USB-Netzstecker bzw. per PC. Die Klingeltöne finde ich persönlich zu leise, aber dafür spürt man den Vibrationsalarm recht gut. Ich habe das Nokia 130 als Dual-SIM gekauft, somit passen zwei Mini-SIM-Karten rein. Dazu schreibe ich demnächst etwas, wenn die SIM-Karten meines neuen Vertrags ankommen.

Negativ finde ich die zu leisen Klingeltöne und insbesondere das spartanische, wenn auch 2000 Einträge umfassende Telefonbuch. Eine Nummer pro Name. Punkt. Das konnte mein 6310i vor 16 Jahren besser!

Fazit: für Senioren nix, für alle anderen, die ein einfaches, günstiges Mobiltelefon suchen und mit einem einfachen Telefonbuch leben können, auf jeden Fall einen Blick wert. Wer es noch günstiger – dafür ohne MicroSD-Slot und wohl auch ohne Musikplayer haben möchte, sollte sich das Nokia 105 Modell 2017 anschauen. Das gibt es für etwa 20€. Ein besseres Ersatztelefon für Notfälle, Wanderungen, Festivals etc. wird es kaum geben.

Nun zu den Seniorenhandys, die heute ankamen. Zunächst ein paar Fotos:

Von Links nach Rechts: Panasonic KX-TU 339 EXBE, oben TelMe X200 / unten Amplicomms M7000i, Doro 5030, oben Primo 414 / unten Emporia V50, oben Doro 609 / unten Doro 613

Draufsicht – Klapphandys geschlossen:

Von Links nach Rechts: Panasonic KX-TU 339 EXBE, TelMe X200, Amplicomms M7000i, Doro Primo 414, Doro 609, Doro 613, Doro 5030, Emporia V50, Nokia 130, Nokia 6310i

Höhe der Handys:

Von Links nach Rechts: Panasonic KX-TU 339 EXBE, TelMe X200, Amplicomms M7000i, Doro Primo 414, Doro 609, Doro 613, Doro 5030, Emporia V50, Nokia 130, Nokia 6310i

Klapphandys offen:

Von Links nach Rechts: Panasonic KX-TU 339 EXBE, TelMe X200, Amplicomms M7000i, Doro Primo 414, Doro 609, Doro 613, Doro 5030, Emporia V50, Nokia 130, Nokia 6310i

Das Klapphandy TelMe X200 (ca. 46€, Klapphandy, Amazon-Link) fiel leider gleich durch, da das Scharnier deutlich knarzte. Persönlich ist mir hier der Abstand zwischen den Tasten zu groß, daher finde ich es in echt bei weitem nicht mehr so interessant wie online. Meinen Eltern gefiel es auf den ersten Blick ebenfalls nicht. Sehr schade, denn als einziges Handy bietet es ein Front-Display UND zwei separate Tasten zum Annehmen und Ablehnen eines eingehenden Gesprächs, ohne es aufklappen zu müssen.

Zwei weitere haben eine Verarbeitungsqualität, ein Erscheinungsbild und die Haptik eines 80er Jahre Walkmans – wohlgemerkt, nicht die eines original Sony Walkmans, sondern die eines der günstigen Varianten aus dem Quelle-Katalog. Damit ist Amplicomms’ M7000i (ca. 53€, Klapphandy, Amazon-Link) und das Doro Primo 414 (ca. 70€, Klapphandy) raus. Die beiden habe ich meinen Eltern erst gar nicht gezeigt.

Das Emporia V50 (ca. 56€, klassische Barren-Form, Amazon-Link) geht auf Menschen, die eine sehr große Tastatur brauchen. Und tatsächlich, in echt wirkt die Tastatur nochmals größer als online. Gefiel weder mir noch meinen Eltern. Ist damit auch raus.

Das Doro 5030 (ca. 33€, klassische Barren-Form, keine Kamera, Amazon-Link) fiel in der Erscheinung wie in der Haptik gleich durch. Aber fairerweise muss man sagen, dass es preislich gleichauf mit dem Nokia 130 liegt aber garantiert besser für Senioren geeignet sein dürfte.

Das Doro 613 (ca. 70€, Klapphandy, Amazon-Link) hat im Gegensatz zum Doro 609 bedingt durch eine andere Bauart des Schnarniers eine größere Tastatur und ein größeres Display, wirkt aber – wie soll ich sagen.. pseudo-edel. Irgendwie passt es nicht. Weder mir noch meinen Eltern. Hier war die Meinung einstimmig – abgelehnt.

Es blieben also das Panasonic KX-TU 339 EXBE (ca. 85€, Klapphandy, Amazon-Link) und das Doro 609 (ca. 50€, Klapphandy, Amazon-Link) im Rennen. Kurzum: meine Mutter nahm das Panasonic und ich werde das Doro 609 wohl behalten nehme das Nokia 3310 3G. Mein Vater ist und bleibt glücklich mit seinem Nokia 6210.

Mir persönlich gefiel die Tastatur des Panasonic nicht sonderlich und insgesamt war es mir zu dick für die Hosentasche. Beides kein Thema für meine Mutter (Handtaschen für das weibliche Geschlecht haben sowieso starke Ähnlichkeit zu schwarzen Löchern – es passt also unendlich viel rein! ;-) Beim Panasonic wird oft geschrieben, dass man eingehende Anrufe nicht vor dem Annehmen prüfen könne, da ein Aufklappen beim Klingeln bereits den Anruf entgegen nimmt. Das stimmt nicht: klingelt es, klappt man das Handy auf, sieht, wer anruft und kann dann entweder Annehmen oder Ablehnen.

Das Doro 609 finde ich insofern gut, da es eigentlich kaum als Seniorenhandy zu erkennen ist. Ich bin ja auch noch kein Senior. Die Tastatur gefällt mir recht gut und der SOS-Knopf ist dezent gehalten. Ob er mir beim Motorradfahren einmal helfen wird, bezweifel ich hingegen, da das Handy keine Ortung kann und diese somit auch nicht notfalls weiterleiten kann. Das kann mein Note 4 dann doch besser.

Negativ finde ich das fehlen von T9-ähnlichen Eingabehilfen, wie sie z.B. das Nokia 130 bietet. Auch das Panasonic hat da kein vergleichbares Feature. Also tippen wie ganz, ganz früher… Das Doro 609 hat eine T9-ähnliche Eingabehilfe, aber diese muss man erst explizit in den Einstellungen aktivieren. Will man vorher irgendwo einen Text eingeben (Name fürs Telefonbuch, SMS-Nachricht etc.) und schaltet die Eingabemodi durch, bleibt das Smart ABC (“Ezi Type”) sonst verborgen!

Da man ins Doro 609 auch eine MicroSD-Karte einschieben kann, kann man damit auch Musik abspielen, wenn auch nur sehr rudimentär. Da ist der Player vom Nokia 130 deutlich besser. Es reicht aber, um eigene MP3-Dateien als Klingelton einzustellen.

Auf beide Handys – dem Panasonic wie auch dem Doro 609 – konnten problemlos per Bluetooth Kontakte übertragen werden. Wichtig dabei: immer nur einen Kontakt pro Sendevorgang übertragen, sonst gehen die anderen verloren. Dafür kann man in Ruhe eine Reihe von Kontakten jeweils einzeln rüberschicken und dann die vCards auf dem Doro nacheinander öffnen und speichern. Genauso funktioniert es auch beim 6310i – und ist leider seit 16 Jahren nicht komfortabler geworden.

Übrigens: die Ladeschale beim Panasonic wurde sehr positiv aufgenommen – sie spart das fummelige Anbringen des Ladekabels. Mir persönlich war das nicht sonderlich wichtig, aber nachdem meine Mutter so begeistert davon war, finde ich das auch eine gute Sache.

Wie einfach das sein kann: eine simple Ladeschale – im Vergleich dazu kostet das Umrüsten eines Smartphones auf induktives (kabelloses) Laden mit passender Ladestation schon Geld – mehr, als so manches Handy dieses Tests gekostet hat. Es muss also nicht immer kompliziert sein!

Update 28.01.2018: Nokia 3310 3G

Einen letzten Versuch habe ich noch gestartet und mir das neue Nokia 3310 3G kommen lassen. Das wird mein neues Handy werden, obwohl die Vier-Wege-Wippe noch fummeliger als beim Nokia 130 ist. Doch warum das?

Es ist bei weitem nicht so stabil wie das Ur-Nokia 3310, was auch oft in Testberichten bemängelt wird. Aber es bietet ein halbwegs vernünftiges Telefonbuch, eine Ausführung als Dual-SIM-Handy ist verfügbar und es sieht eben nicht direkt nach Seniorenhandy aus. Diesen Eindruck vermittelte das Doro 609 am wenigsten, doch gefällt mir das Nokia 3310 3G doch besser. Ob man das neue Snake mag oder nicht, sei dahingestellt, aber man bekommt ein 3G-Handy (es bucht sich also in alle 2G oder 3G-Netze kein, kann aber kein 4G/LTE), das auch mit zwei SIM-Karten eine gute Woche durchhält. Wer es noch langatmiger haben möchte: die nicht-3G Variante bietet deutlich mehr Gesprächszeit mit einer Akkuladung (angeblich 22h versus 6,5h) und ein paar Tage mehr Standby-Zeit. Das 3310 3G kann man aber in den Einstellungen auf 2G limitieren, insofern werde ich noch berichten, ob es sich dann deutlich besser schlägt. Ist bleibt aber fraglich, ob ich es in einer Akku-Ladung auf 22h Gesprächszeit bringe… ;-)

Weiterhin war das Telefonbuch in einem Rutsch fix per Bluetooth vom Note 4 übertragen und die Gesprächsqualität ist in Ordnung und definitiv besser als beim Nokia 130. Headsets per 3.5mm Klinke funktionieren ebenso gut wie Bluetooth-Headsets.

Angeblich kann die neuere 3G-Variante auch Twitter und Facebook, aber zum einen ist das nicht der Sinn dieses Handys und zum anderen rufen die Symbole der beiden Dienste dann eine mobile Website im eingebauten Opera Mini-Browser auf. Der war schon 2007 auf meinem Nokia 6120 classic mit Symbian-OS.. sagen wir mal: schwierig. Eine Wetter-App gibts beim 3G im Gegensatz zur kleineren “Nicht-3G” Variante nicht. Die kleine Version hat dafür keinen App-Store – den man allerdings getrost vergessen kann.

Fazit

Ich habe endlich mal ein Klapphandy als Ersatz (das Doro 609), werde aber wohl zunächst das Nokia 130 verwenden, weil ich nur darin meine alte SIM sowie eine der neuen SIM-Karten gleichzeitig verwenden kann (Dual-SIM). Meine Eltern haben auch ein neues Handy bzw. benutzen weiter ihr altes. Somit hat sich mein kleiner Test schon gelohnt!

Update: das Nokia 130 und auch das Doro 609 gehen zurück und es wird das Nokia 3310 3G sein, mit dem ich dann unter meiner bisherigen Handy-Nummer wie auch unter der neuen erreichbar sein werde. Whatsapp geht nur auf der neuen und Nachrichten werden dort beantwortet, wenn ich abends von der Arbeit heimkomme – für wichtiges also anrufen! :)

Tipp

Für alle, die wie ich noch keine Senioren sind aber ein zuverlässiges, einfaches Handy mit richtig guter Standby-Zeit suchen: kauft euch ein gebrauchtes Nokia 6210 oder 6310. Zuverlässiger geht nicht. Es darf ruhig ein äußerlich arg strapaziertes sein, denn die Oberschale lässt sich mit etwas Geschick selbst wechseln und einen neuen Akku bekommt man noch immer für kleines Geld. Ansonsten kann ich das Nokia 130 empfehlen.

Senioren gebe ich den Tipp mit: kauft nicht das erstbeste Handy. Bestellt euch ruhig eine kleine Auswahl und lass euch Zeit zum testen (Rücksendefrist beachten). Von den Produktseiten her hätte ich für mich persönlich eher auf das TelMe X200 gesetzt, doch in echt war es eine Enttäuschung. Exakt umgekehrt lief es mit dem Doro 609.

Noch ein Tipp zum Thema Vertrag: einmal gut, immer gut – gilt nicht für Handyverträge. Vergleicht eure Verträge mit aktuellen, evtl. findet ihr da etwas besseres. Oder wer kennt das nicht – bloss immer kurz fassen am Handy, kostet ja Unsummen pro Minute! Dabei gibt es Verträge, bei denen das Telefonieren in alle Netze und auf Festnetz (praktisch alles außer Gespräche ins Ausland) gerade einmal 6,50€ im Monat kostet. Und das ist kein 2-Jahres-Vertrag sondern kann von Beginn an Monatsweise gekündigt werden. Darin kosten übrigens auch SMS-Nachrichten nichts mehr extra. Das gibt es derzeit im O2-Netz für wie gesagt 6,50€ monatlich oder auch für 10€ im Monat dafür aber mit 2-Jahres-Vertrag im D2-Netz. Da ich keine Werbung hier für machen möchte, müsst ihr bei Interesse selbst danach googeln. Findet sich aber dann recht schnell.

Ich werde in Kürze mal ein Angebot für 12,95€ monatlich ausprobieren, darin gibts 3 GB Datenvolumen inklusive (und ohne Datenautomatik) und eine zweite SIM-Karte gibts umsonst dazu. Ob das O2-Netz was taugt, werde ich dann sehen. Die erste SIM-Karte landet im Note 4, das sich über deutlich mehr Datenvolumen freut und die zweite kommt nebst meiner alten D2-Karte ins Nokia 130 und später mal alleine ins Doro 609.

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