Der Konsument, das Nutzvieh

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Der Konsument wird oft als Nutzer bezeichnet, meist in seriösem Kontext. Aber ähnlich wie Nutzer klingt auch Nutzvieh, und dass man als “Kunde” oft genug nicht mehr als das ist, sieht man wieder an diesem Beitrag: Streit zwischen Google und Amazon: Fire TV und Echo Show verlieren YouTube.

Kurz gesagt geht es darum, dass sich Amazon und Google nicht mehr lieb haben, und deswegen die YouTube-App auf Amazon-Geräten wie das FireTV, das Fire-Tablet etc. zurückgezogen wird – dann gibts kein YouTube mehr auf diesen Geräten.

Nicht, dass ich ein solches Gerät gekauft hätte – aber sich gerade vor ein paar Wochen noch eines in der “Cyber-Monday-Woche” (an sich schon eine Verballhornung) günstiger gekauft hat, wird sich jetzt ärgern. Zumindest, wenn er darauf gerne YouTube-Videos (ge-) schaut (hat).

Kern des Problems ist also, dass man ein oft vergünstigtes Gerät kauft, das einem per Streaming Inhalte bereitstellt. Das ist zwar prinzipiell eine gute Sache, denn man braucht dafür keine große, teure Hardware aber man hängt gleich an verschiedenen Nabeln.

Da wäre die Bandbreite, die abends – wenn jeder auf dem TV was schauen will und davon immer mehr per Streaming – dann einbricht und Ruckler oder gar Aussetzer verursacht. Wer sich früher noch Filme auf VHS ausgeliehen hat, kennt die kippende Stimmung, wenn die Kassette so abgenutzt war, dass es ständig zu Ton- und Bildaussetzern kam. Welcome back, 90iger Jahre!

Dafür kann zwar der Inhaltsanbieter (Amazon, YouTube, etc.) nichts, wohl aber der Internet-Dienstanbieter (Telekom, Kabel Deutschland, …). Die reden sich dann mit “abendlichen Spitzenlasten” heraus und es passiert mit der Begründung “mittags um 12 haben sie ja volle Bandbreite” nichts.

Neuerdings ist das zumindest bei YouTube-Videos aber kein Problem mehr, denn nun gibt es schlicht keine YouTube-App (mehr) auf Amazon-Geräten wie dem FireTV-Stick! Wofür hatte man das Gerätchen nochmal vor kurzem in der Angebotswoche auf Amazon gekauft? ;-)

Wieder einmal sehe ich, dass meine “Mammut”-Lösung seit 2014 die beste ist: eigener Media-Server, gebaut aus ganz normaler PC-Hardware, flüsterleise, betrieben mit einem quelloffenen Betriebssystem. Streaming geht auch, aber auch lokale oder zwischengespeicherte (und damit von abendlichen Spitzenlasten unabhängige) Inhalte sind natürlich möglich.

Während andere sich abends über Ruckler oder verschwundene Apps auf ihrem FireTV beschweren, würde mich nur ein Stromausfall daran hindern, ordentliche Filme und guter Qualität störungsfrei zu schauen.

Das hat natürlich seinen Preis, denn für 40€ ist so ein System nicht zu haben. Die Frage ist doch: kann ich mich trotz Ruckler und App-Problemen immer noch über den günstigen Preis eines FireTV-Sticks freuen oder ärgere ich mich eher über ein zwar günstiges, aber unzuverlässiges Gerät?

Ich möchte mich daher nicht in die Kategorie “Nutzvieh” einordnen und gebrochene Versprechen des Herstellers hinnehmen; mein Projekt “Media-Server”, das nun seit vielen Jahren problemlos funktioniert, war zwar keine günstige, aber eine zuverlässige Entscheidung. Ein reiner Media-Server ist sie dabei schon lange nicht mehr und übernimmt viele, weitere Aufgaben wie Datensicherung, “Cloud”-Dienste, etc. Für jedermann ist sie jedoch aufgrund ihrer Komplexität nicht geeignet.

 

Der Wasserläufer hält sich aufgrund der Spannung problemlos auf der Wasseroberfläche – ganz im Gegensatz zum Streaming-Konsument, der wegen fehlender Bandbreite (und nun auch fehlender Apps) einfach absäuft.

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