Computermäuse

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Es ist wieder Zeit für eine neue Maus. Leider. Denn meine bisher beste Maus, die ich je hatte, bekommt ihre Wehwehchen. Bei meiner G9x (2013 gekauft) äußert sich das in ungewollten Doppelklicks. Zwar konnte ich gemäß einer Anleitung im Internet die Kontaktfeder eines Mikroschalters reparieren, aber nun benötigt diese Maustaste geringfügig mehr Druck. Das im Alltag zwar egal, aber beim Zocken merkt man es eben. Sicher, ich bin verwöhnt. ;-)

Wer das gerade einfach so überlesen hat: ich hab es tatsächlich fertig gebracht, einen Mikroschalter zu reparieren – und zwar so, dass er danach noch funktioniert! Alleine das Gehäuse des winzigen Schalterchens war höchstens 10 mm lang! Darin befand sich eine hauchdünne Kupferschablone, die etwa halb so groß wie der Fingernagel des kleinen Fingers war. Diese musste aus ihrem “Gestell” herausgefummelt, begradigt, zurechtgebogen und dort unter Spannung wieder eingesetzt werden! Das war mehr Fummelarbeit als die Blende eines alten 28-80mm f/4 FD-Objektiv zu reparieren! Ja, ich weiß: Eigenlob stinkt, aber darauf bin ich echt stolz!

Wie auch immer, heute kamen gleich sechs potentielle Ersatzratten an:

Inhalt

Zunächst schreibe ich was über meine bisherige Maus, dann etwas jeweils zu den neuen Mäusen samt Fotos und Gewichtsangabe. Am Ende gibts eine Hit- und Shit-List und eine kleine Anekdote zum Thema Everglide-Teflon-Mauspads.

Übrigens: vor zwei Jahren hatte ich mal einige Billig-Mäuse getestet, die sind damals jedoch nicht gut weggekommen. Mittlerweile gibt es aber gute Mäuse im unteren Preisbereich von ca. 15€.

Der Platzhirsch: Logitech G9x (aus 2013, damals 50€ im Angebot)

Diese sechs traten gegen besagte G9x von Logitech an, die ich 2013 einmal für mich privat und sogar einmal für die Firma gekauft hatte – in der Call of Duty MW3 Special Edition, da es diese für 50€ statt 100€ gab.

Schön war sie nie, teuer auch im Angebot, aber einfach nur sehr präzise und ergonomisch superb. Als Gag konnte man das Gehäuse drumherum wechseln – es gab eine gummierte größere Schale und eine rauere, ungummierte und kleinere Schale. Gewichte konnte man ebenfalls in einer Schublade unterbringen.

Anforderungen

Wichtig für mich ist bei Mäusen neben gewisser Mindestanforderungen an den Sensor und die Tasten vor allem die Ergonomie. Ist die Maus zu schmal, tut beim Zocken oder auch im Büroalltag irgendwann der Daumen weh, weil man mit seiner Hand ständig eine Kralle formen muss.

Hat die Maus “im Heck nicht genug Substanz”, eignet sie sich nicht in Verbindung mit einem Gelpad fürs Handgelenk (wie z.B. das von Fellows, das ich seit Jahren benutze). Die Maus sollte außerdem mit möglichst geringem Widerstand übers Mauspad gleiten, damit man sie in faulen Momenten auch mal mit zwei Fingern herumdirigieren kann – hier natürlich auch vom bequemen Thron der Gel-Handballenauflage herab. ;-)

Andererseits muss man die Maus auch mal fest umklammern können ohne dabei das Gefühl zu haben, die Maus unter der Hand zu zerbröseln.

Die Anforderungen an den Sensor sind bei mir recht simpel: möglichst präzise. Laser-Sensoren empfinde ich persönlich präziser als optische Sensoren, wobei mir schwindelerregende DPI-Zahlen ziemlich egal sind. Es sollten aber schon 3.000 DPI sein, besser 5.000. Warum soviel? Bei manchen kann man die Abtastrate erhöhen, dann muss die DPI-Zahl entsprechend steigen – die Mausbewegung wird feiner und damit präziser. Ohne spezielle Software geht das meist aber nicht. Benutzt wird die Maus grundsätzlich auf Mauspads, zu Hause wie auf der Arbeit. Schließlich bin ich kein Tischler, gell?!

Die Tasten sollten irgendwo richtig klingen und fühlen; nicht dumpf, nicht so, als würde man auf dem Verschluss einer leeren Cola-Dose herumdrücken und auch nicht so, als fiele die Maus jedesmal fast auseinander (schlechte Dämpfung der Konstruktion).

Die Logitech G9x hat all das erfüllt und tut es heute noch, auch wenn ein End-Of-Life in Sicht kommt. Würde es sie noch zu kaufen geben, hätte ich keine sechs Mäuse, sondern exakt eine bestellt. Doch leider gibt es sie schon seit Jahren nicht mehr.

Im Detail vergleiche ich die Mäuse übrigens nicht, wer sich also für DPI-Zahlen, das exakte Gewicht, programmierbare Tasten, Beleuchtungsverhalten (und dessen Programmier- bzw. Abschaltbarkeit) oder sonstige Nebenwirkungen interessiert, sollte die Artikelseite bei Amazon, die Herstellerwebseite oder den örtlichen Elektronik-Facharzt konsultieren. Oder so ähnlich.

Die Mäuse im direkten Vergleich

Um einen Eindruck zur Größe der Mäuse zu geben, hier die Mäuse nebeneinander fotografiert.


Von links nach rechts: Logitech G502, Razer Abyssus V2, Sharkoon Force, CSL-Computer Maus, Titanwolf Specialist, Logitech G9x.

Die Combaterwing CW-30 hab ich hier vergessen, vermutlich hatte ich sie da schon mental abgeschrieben. ;-) Ist aber etwa so lang wie die Titanwolf oder auch die CSL-Computer-Maus.

Vorab etwas zu den Fotos, auf denen die jeweilige Maus auf einer Waage zu sehen ist: das Mauskabel lag dabei soweit möglich lose daneben und die Maus wurde so gewogen wie sie aus der Schachtel kam. Sofern die Maus über Gewichte anpassbar ist, waren die Gewichte im Lieferzustand alle bis auf die Logitech G502 in der Maus eingebaut.

Combaterwing CW-30 (20€)

Sah auf den Fotos ganz ok aus, in echt hingegen dann nicht mehr überzeugend. Die Form ist erfreulicherweise was für größere Hände, aber ein optischer Sensor mit 3000 DPI ist selbst mir nicht mehr zeitgemäß genug. Eine Standard-Office-Maus im Gamer-Kleid, das sie zu unrecht trägt. Mit 20€ gefühlt zu teuer. Interessanterweise ist die Maus zum Zeitpunkt dieses Berichts schon nicht mehr verfügbar.

Wer hingegen auf ein bisschen Steampunk-Aussehen Wert legt, ist hier richtig.

Sharkoon Shark Force Gaming Maus (15€)

An sich ein Volltreffer – wäre sie nur nicht derart schmal an den Hüften. Definitiv nur etwas für kleinere Hände. Für 15€ ein echtes Schnäppchen, wenn man eine schmale Maus sucht. Ich würde sagen: die perfekte Zockermaus für Kinder!

Apropos schmal: ich hab mal nachgemessen. Im hinteren Bereich, also kurz vor den seitlichen Knöpfen und natürlich an der schmalsten Stelle (und nicht wie man vermuten würde inkl. der Daumenablage) ist sie 58mm breit. Meine G9x hat hier 63mm. Das klingt nach nicht viel, aber im Feeling bedeutet das Welten. Und wer seine Maus im Krallengriff verwendet (siehe dazu weiter unten) wird das zu schätzen wissen.

Razer Abyssus V2 (39€)

Bisher hatte ich zwei Mäuse von Razer. Die erste war die Copperhead von 2007, die den Krallengriff wegen der seitlichen Knöpfe nahezu unmöglich machte (dafür aber auch Dummy-Schalter zum auswechseln bot). Sie ist heute noch im Einsatz, und zwar an Joachims Computer. Schön sieht sie nach zehn Jahren nicht mehr aus, aber sie funktioniert absolut tadellos.

Die zweite Razer war eine Krait, die ich etwas später für mein Notebook gekauft habe. Sie war viel kleiner, damit auch wesentlich schmäler und funktioniert heute ebenfalls noch – da sie mir eben zu schmal war und fast nie zum Einsatz kam. ;-)

Razer-Mäuse empfand ich – neben den beschriebenen ergonomischen Punkten immer als extremst abzugsfreudig. Derart leicht zu drückende Tasten hatte ich kaum mehr sonst irgendwo gesehen. Fast schon gedankengesteuert… Erinnert mich etwas an die Luftpistole eines Kumpels, die man gefühlt nur ansehen muss damit sie losgeht!

Zurück zur Abyssus V2. An sich eine typische Razer, aber: viiiiiiel zu leicht und keine Möglichkeit für Gewichte, außerdem – wie schon bei der Krait – keine seitlichen Tasten. Außerdem für mich zu schmal.

Es gibt aber noch ein größeres Aber: wer das hohe, satte Klicken der Copperhead oder der Krait erwartet, wird bitter enttäuscht. Stattdessen ein dumpfes Pffnockoing! als wäre darin eine Feder lose.. Nein, das dürfte nicht der Fall sein, aber naja: irgendwie geht das gar nicht. Irgendwie kein Vergleich mehr zu den bisherigen Razer-Mäusen.

Wer es also extrem leicht, schmal und puristisch mag – immerhin gibt es aber ein Mausrad – und sich nicht an einem dumpfen Klickgeräusch stört, ist hier genau richtig. Eine der wenigen symetrischen Mäuse für Rechts- und Linkshänder.

CSL – USB Gaming Mouse 9 Tasten (15€)

Ohne echten Namen oder Bezeichnung wäre diese Maus fast eine Kaufempfehlung. Leider nur fast, denn obwohl sie vielleicht etwas zu flach ist, stimmt die Breite, der Sensor ist ok, Tasten auch… aber die Gleitpads an der Unterseite verdienen ihren Namen nicht. Wie kann man kurz vorm Tor so patzen… Sie kratzt regelrecht übers Mauspad und mit zwei Fingern dirigierend lässt sich diese störrische Nager keinen Zentimeter!

Diese Maus mit echten Gleitpads für vielleicht zwei Euro mehr wäre ein Kracher!

Logitech G502 Gaming-Maus Proteus Spectrum (60€)

Der Mercedes unter den Mäusen und mehr oder weniger inoffiziell der Nachfolger meiner G9x (streng genommen gehört da die MX518 noch dazwischen, aber die hatte ich nie).

Ich werde mit dieser G502 genauso warm wie damals mit der G9x – nach vielen, vielen Stunden erst. Der erste Gedanke: soviel Geld für das bisschen?! Dann: naja, die G9x hat auch “lange” gehalten… Knirschend denkt man sich: wer billig kauft, kauft zweimal, also Augen zu und diese dann behalten…

Aber dann bewegt man die Maus ungläubig von links nach rechts (kein Schütteln!) und dabei macht die Maus Geräusche als würde sie selbst Tasten auslösen.. nach einigen Sekunden völliger Irritation ist dann klar: ist das Mausrad nicht arretiert (die Rasterung beim Mausrad lässt sich bei manchen Logitech-Mäusen ausschalten), eiert sie munter seitlich hin und her. Da sind aber auch noch Tasten (bei Mausrad nach links bzw. rechts drücken). Ob diese dann gedrückt werden, habe ich in der kurzen Zeit nicht genauer getestet.

Natürlich: ein freidrehendes Rad wird man selten benutzen – meist auf langen Webseiten oder auch im Inventar bei Skyrim oder Fallout 4 – aber mich stören solche Qualitätsmängel einfach. Besonders bei einer 60€ Maus, die offiziell sogar 100€ kostet. Meine G9x hatte dieses Feature des freidrehenden Mausrads auch schon – da ist der Knopf dann an der Unterseite und nicht wie hier direkt vorm Mausrad – aber so eiert oder klackert hier nichts herum. Auch nicht nach vier Jahren täglicher Nutzung.

Damit entspricht die Qualität den doch recht oft vorkommenden ein- und zwei-Sterne-Bewertungen auf Amazon. Leider. Ansonsten wirkt sie recht schmal, ist aber faktisch genauso breit wie meine G9x – nur länger.

Und somit kommen wir zum vorläufigen Gewinner:

Titanwolf Specialist (28€)

Titanwolf ist eine Marke von “Ganz Einfach“, zu denen auch CSL-Computer gehört. Im Prinzip also eine günstige Maus, die es so auch unter anderen Markennamen bereits gibt – ob bewusst kopiert oder lizenziert. :-) Die Zielgruppe dürfte von der Aufmachung und dem Handelsnamen her wohl deutlich jünger sein, aber mich stört das kaum. Sofern die Maus nicht leuchtet wie ein Weihnachtsbaum nehm ich alles. ;-)

Ich hatte lange überlegt, ob ich bei der Bestellung nicht gleich auf die Combaterwing und diese Titanwolf verzichte, aber da die Titanwolf bei etlichen Bewertungen bisher nur 5 Sterne abräumte, hab ich sie doch mitbestellt.

Und siehe da – alles richtig gemacht: Tasten ok (Geräusch und Gefühl), Mausrad ok (vergleichbar mit meiner G9x, nur ohne Logitech-typischen Freilauf), Form super: breit genug, genug Materie am Heck. Gut, die 10.800 DPI werde ich kaum brauchen, aber besser davon zuviel als zu wenig.

Wunderbar für den Krallengriff – hier fasst man mit dem Daumen automatisch zwischen die vier Sondertasten. Und auch für das Schubsen vom Gelpad herab (vergleichbar mit Fingerspitzen-Griff) eignet sie sie super, da hier der Daumen auf dem glänzenden “Seitenstreifen” parken kann. Die kleine Ablage für den Daumen passt wunderbar dazu.

Wer seine Maus in der Hand begraben muss (sog. Palm-Griff), um damit unter vollem Körpereinsatz auf dem Tisch herumzurühren ist hier auch richtig: sie passt gut in meine gefühlt mittelgroßen Hände. Apropos Handmaß: gemessen vom Mittelfinger bis zum äußersten Ende des Handballens komme ich auf genau 20cm. Meine Handfläche ist ohne Daumen gemessen genau 9,5cm breit.

Übrigens: wer es sich mal richtig geben will und gerne Spiele verwendet, bei denen oft die Tasten 1-9 und 0 zum Einsatz kommen – üblicherweise MMORPGs wie WoW aber auch manche Single-Player RPGs – sollte sich die größere Titanwolf Gauntlet mit seitlichen 12 Tasten anschauen. Meine WoW-Zeiten sind allerdings lange vorbei und daher reicht mir diese kleinere mit vier seitlichen Tasten. ;-)

Fingertip – Claw – Palm – Watt?

Wer bei den Griffarten nur Fragezeichen überm Kopf hatte: es gibt drei Arten, eine Maus zu halten: mit den Fingerspitzen (Fingertip-Grip), in einer Art Krallenstellung (Claw-Grip) und mit der ganzen Handfläche (Palm-Grip). Ich nutze nur selten den Palm-Grip sondern verwende die Maus meistens entweder mit den Fingerspitzen (Office, Lightroom, Anwendungen, etc.) oder in einer Krallenform beim Zocken. Auf dieser Seite gibts genauere Erklärungen und Grafiken dazu.

Ein bisschen Nörgeln kann ich bei der Titanwolf aber doch: die Gleitpads an der Unterseite sind teils etwas arg klein und dürften sich über die Zeit evtl. etwas verschieben und dann ablösen. Wird sich zeigen.

Amazon ermöglicht es ja, die Mäuse eine Weile zu testen, so werde ich die nächsten Tage immer wieder mal tauschen. Falls sich etwas am vorläufigen Gewinner ändert, wirds hier natürlich ergänzt.

Zusammenfassung

Derzeit sind diese Mäuse raus: Combaterwing CW-30 (zu billig, Technik zu alt), Sharkoon Force (zu schmal), Razer Abyssus V2 (zu leicht, zu schmal).

Die verbliebenen würde ich mal so anordnen: Titanwolf 10.800 DPI (würde ich behalten), Logitech G502 (wenn nur das Rad im Freilauf nicht so klackern würde), CSL-Computer 9-Tasten-Maus (wenn die Gleitpads besser wären).

Die Titanwolf behalte ich wenn die zugehörige Software passt und die einfache CSL-Maus evtl. auch, wenn sie auf einem speziellen Teflon-Mauspad vom KM (vergleichbar mit den früheren, legendären Everglide-Mauspads) doch ordentlich laufen sollte.

Tsk! Apropos Everglide… mein altes Quake 3 Pad hatte ich mal meiner Mutter geschenkt, darauf verwendet sie eine Roccat-Zockermaus und rückt das Everglide-Pad partout nicht mehr heraus! So zeigt sich: Zockermäuse haben nicht die Bohne mit dem Alter zu tun! :-)

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