Ein Reisezoom: Tamron 16-300mm f/3.5-5.6 Di II VC PZD Macro

on

Vor einem Jahr bereits hatte ich das Tamron 16-300mm f/3.5-6.3 VC PZD Macro hier, schickte es damals aber aus verschiedenen Gründen wieder zurück (Link zum Artikel). Unter anderem wegen bauart-bedingtem, starken Focus-Breathing (Brennweitenverlust im Nahbereich) und schlechter Abbildungsleistung. Warum ergänzt dieses Objektiv ein Jahr später nun doch meine Ausrüstung?

Weil es Situationen gibt, in denen ein großes, schweres und teures Objektiv nötig ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen – doch gibt es auch Situationen, da sind andere Aspekte wichtiger. Es ist also die Erkenntnis, dass es nie die beste Ausrüstung für alle Situationen gibt. Da erzähle ich keinem was neues, aber ich möchte das einmal verdeutlichen.

Ein Reisezoom hat einen schlechten Ruf, weil es in Bezug auf Abbildungsleistung jedem anderen Objektiv unterlegen ist. Doch die Vorteile sind eben sowenig von der Hand zu weisen. Wer einmal mit bestmöglicher Foto-Ausrüstung im Gepäck 15km wandern war, wird danach das Thema Abbildungsleistung nicht mehr ganz so deutlich hochhalten und zum verschmähten Reisezoom greifen. Die Frage, die man sich als Fotograf stellen muss, lautet: verzichte ich lieber auf ein Foto, weil ich nicht bereit war, die dafür nötige Ausrüstung mitzunehmen oder mache ich doch lieber ein Foto, das technisch nicht ganz so perfekt ist, mir aber möglich war, weil ich ein leichtes Universalobjektiv dabei hatte?

Was das Thema Abbildungsleistung betrifft, so haben sich die Reisezooms doch in den letzten Jahren deutlich verbessert. Ich hatte 2006 ein kleines Sigma 18-125mm f/3.5-5.6 DC zu meiner 350D gekauft und vergleiche ich die Fotos von damals mit denen des Tamron 16-300mm, kann sich das Tamron durchaus sehen lassen. Natürlich unterliegt es immer noch ohne Frage einer guten Festbrennweite oder spezialisierten Zooms wie dem Tamron 70-200mm f/2.8 VC USD, aber ich persönlich habe keine Bedenken (mehr), statt einer Auswahl von 2-3 guten aber großen und schweren Objektiven nur mit diesem auf Reisen zu gehen.

Tamron16_300vsCanon100Macro-1866x928Um mal zu zeigen, wieviel mehr an Abbildungsleistung noch drin ist, findet sich hier ein Vergleichsfoto zwischen dem Tamron 16-300mm und dem Canon EF 100mm f/2.8 Macro USM. Beide mit Blende f/8 gemacht, befand sich das Tamron im “Makro-Bereich”, d.h. bei 300mm und sehr nahe am Motiv. Fokussiert wurde in beiden Fällen per LiveView. Die beiden Fotos auf dem Vergleichsfoto wurden nur per Lightroom-Profil korrigiert aber nicht entrauscht oder nachgeschärft.

Der Vergleich ist natürlich unfair, denn das Macro Objektiv ist eines der besten und das Tamron bietet bei 300mm die schwächste Abbildungsleistung und das Ergebnis war mit einem Test vor einem Jahr vergleichbar. Trotzdem: besser geht also immer, die Frage ist nur, möchte man wegen dieses Unterschieds nun immer noch ein weiteres, spezialisiertes Objektiv dabei haben?

Zum Thema interessant könnte auch ein Artikel sein, den ich vor einigen Wochen einmal geschrieben habe. Darin ist auf ein 45-minütiges Video von Krolop und Gerst verlinkt, in dem noch einmal deutlicher die Vorteile eines Reisezooms erklärt werden. Der Argumentation darin kann ich mich nur anschließen.

Ein paar Details zum Objektiv selbst: es wiegt 540g, ist knapp 10cm lang, arbeitet mit 7 Blendenlamellen (meistens gilt: je mehr, desto weicher sind die Unschärfekreise), beinhaltet 16 Elemente in 12 Gruppen, bietet f/3.5 bei 16mm (vgl. 25,6mm Kleinbild-Äquivalent Canon APS-C) und f/6.3 bei 300mm (vgl. 480mm) und hat eine Naheinstellgrenze von 39cm ab Sensorebene (nicht Frontlinse). Das Objektiv erlaubt Filter im Durchmesser 67mm.

Lt. Heise Foto-Club Artikel über Reisezooms bietet es in der Bildmitte immer über 1700 Linienpaare, lässt aber am Rand stark nach. Die beste Bildqualität lässt sich bei Blende f/8 erreichen: ca. 1900 Linienpaare bei 16mm und ca. 1800 Linienpaare bei 300mm.

Ich jedenfalls werde froh sein, wenn ich mal eine Wanderung oder auch nur einen einfachen Spaziergang nur mit der 70D und dem Tamron 16-300mm machen kann, vielleicht ergänzt um ein sehr leichtes Stativ.

Denkanstoß Handy

Um es einmal anzusprechen: wenn es darum geht, auf Wanderungen oder Spaziergängen Fotos zu machen, kann auch die Kamera des Handys ausreichen. Natürlich, einen knapp 19-fachen, optischen Zoom hat man damit nicht und mit Unschärfe spielen funktioniert wegen des kleinen Sensors nicht, aber erstens hat man sein Handy eher dabei als eine DSLR und zum anderen kann man mit so manchem Handy ebenfalls ganz passable Fotos machen. Ich mache z.B. gerne Fotos meiner Ausrüstung, wenn ich irgendwo im Feld gerade Panorama-Fotos mache.

Wer dann über den Punkt hinauskommt, ein Handy für solche Fotos überhaupt einmal in Betracht zu ziehen, wird im Internet fündig, wenn es dann darum geht, die beste Qualität herauszuholen. Leider erlauben nur wenige, aktuelle Handys, Fotos im RAW-Format zu machen. Aber manchmal hilft es schon, eine App zu verwenden, die möglichst wenig am Foto “herumdocktert”, dazu habe ich in meinem Fall einen Artikel für das Samsung Note 4 gefunden. Das ermöglicht einem mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung und entlarvt das Foto nicht zwangsläufig sofort als Handy-Foto.

Objektiv-Alternativen

Wer eine Alternative zum Kit-Objektiv sucht, aber etwa 500€ für dieses Objektiv zu teuer ist, sollte sich unbedingt das Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM anschauen, das deutlich lichtstärker, eine bessere Abbildungsleistung bietet und mit ca. 300€ auch noch günstiger ist. Ich habe mir dieses Objektiv für eine Hochzeit Anfang 2016 gekauft und bin trotz einiger anfänglicher Bedenken sehr zufrieden damit. Aber auch Canons STM-Objektive sind gar nicht so schlecht wie viele meinen.

Praktisch alle lösen dabei besser auf als das Tamron 16-300mm. Es wird auch deutlich, dass das Sigma 18-35mm f/1.8 als zweitbestes (neben dem Canon EF 100mm f/2.8 Macro USM auf Platz 1) abschneidet. Das Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM verteidigt in diesem Macro-Vergleich den dritten Platz und das Canon EF-S 55-250mm f/4.0-5.6 IS STM schlägt sich trotz Nahgrenze von 0,85m noch sehr gut. Obwohl also im Bereich der Makro-Fähigkeiten das Tamron 16-300mm auf dem letzten Platz liegt, punktet es weiterhin als All-In-One Lösung.

Update 18.07.2016: ich habe in diesem Artikel diverse Objektive genauer an ihrer Nahgrenze getestet, u.a. auch das Tamron 16-300mm.

20160730-IMG_9109Update 31.07.2016: konnte die Tage das Objektiv in einem kleinen Park testen und bin sehr zufrieden. Dort hat sich insbesondere gezeigt, dass bei 300mm ab Blende f/8 scharfe Fotos problemlos möglich sind.