Feinabstimmung des Sigma 18-35mm f/1.8 (Update)

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Ich bin mit dem Autofokus meines Sigmas 18-35mm f/1.8 immer noch nicht wirklich froh. Ich finde es allerdings sehr ernüchternd, wenn ich sehe, was andere alles durchmachen – hier von Alto Speckhardt. Am meisten ernüchternd finde ich, dass ein AF-Problem offenbar nur selten direkt von Sigma selbst behoben werden kann. *seufz*

Das Sigma liegt wirklich sehr gut in der Hand und macht tolle Fotos (wenn der AF z.B. über LiveView auch trifft), aber der “normale” Phasen-AF ist ein Graus! Beim Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM habe ich diese Probleme nichtmal im Ansatz, und es ist “nur” 1,3 Blenden weniger lichtstark.

Ich werde noch 69 britische Pfund (ca. 90 Euro) für das Programm Focal Pro von Reikan ausgeben, denn so oder so dürfte mir das Programm dieses ewige prüfen und entscheiden ersparen, ob ein Front- oder Back-Fokus vorliegt.

Die Dot-Tune Technik, die im Artikel erwähnt wird, wird hier auf englisch und hier auf deutsch erklärt, dort findet sich auch ein Testchart. Dazu braucht es keine zusätzliche Software. Gemäß dieses Beitrags auf englisch gibt es sogar einen Tipp, wenn der AFMA-Bereich der Kamera (+/- 20) nicht mehr ausreicht.

Zitat aus der deutschen Erklärung (Quelle):

Zum Set Ablauf und Aufbau:
Die empfohlene Aufnahmeentfernung zum Testchart oder einem beliebigen AF-Target beträgt 50 x Brennweite/mm. Beispiel: Objektivbrennweite 300mm entspricht 15 Meter Entfernung zum Target.

DotTune Ablauf:
1. Kamera mit Objektiv auf einem Stativ aufbauen
2. Kameraeinstellung – One Shot und mittleres AF Feld auswählen.
3. Blende für Objektiv auf Offenblende stellen, AF am Objektiv (Canon) aktivieren.
4. Mit Live View das ausgewählte Testchart oder Focus Target fokussieren bis Bestätigung Grüner Rahmen + Piep Ton.
5. Schalter am Objektiv auf MF – manuellen Fokus umstellen.
6. C.Fn öffnen und AF Mikrojustage auf 0 stellen.
7. Auslöser halb durchdrücken und kontrollieren ob der AF Indikator dauerhaft leuchtet.
8. AF Justage in + Richtung jeweils um einen Punkt verstellen, Auslöser wieder halb durchdrücken und das ganze so oft wiederholen, bis der AF Indikator nicht mehr sofort aufleuchtet
9. Den ermittelten AF+ Einstellwert notieren.
10. AF Justage wieder auf „0“ stellen und dann in – Richtung jeweils um einen Punkt verstellen, Auslöser wieder halb durchdrücken und das ganze so oft wiederholen, bis der AF Indikator nicht mehr sofort aufleuchtet.
11. Jetzt den AF Einstellbereich öffnen und den Mittelwert von der – Einstellung zur + Einstellung ermitteln und den ermittelten Wert als AF-Feinjustage Wert einstellen.
12. Beispiel: -6 zu + 14 ergibt 20 Punkte, der Mittelwert beträgt also 10 Einheiten. Jetzt gehe ich mit dem Wahlrad einfach von -6 um 10 Einheiten in die + Richtung und komme auf meinen AF Einstellwert von + 4. Fertig.
13. Falls der AF Indikator im Sucher bereits bei AF Feineinstellung „0“ flackert oder nicht sichtbar ist sollte man von +20 oder -20 beginnen um den AF-Bereich zu finden bei dem der AF Indikator im Sucher dauerhaft leuchtet.
14. Geht der AF Indikator konstant über den +20 oder -20 Bereich hinaus, sollte man mit der LiveView Methode und Canon Utilitys versuchen die AF Microjustage in den äußeren Einstellbereichen auszuführen.

Man ist überrascht wie groß der voreingestellte Autofokus Bereich in der Kamera tatsächlich ist!

Diese Reihe gemäß dem Artikel von Herrn Speckhardt inklusive der Dottune-Technik mache ich noch – wenn es dann nicht gescheit läuft, wirds verkauft.

Herrje, wenn man sich täglich damit auseinandersetzen wollte, könnte man dazu glatt eine Geschäftsidee entwickeln. Denn offenbar sind die Werkstätten von Sigma etc. dazu nicht unbedingt in der Lage, wie man oft genug in Foren u.ä. liest.

Update 02.06.2016, 23:55 (original-Zeit des Artikels 02.06.2016, ca. 19 Uhr)

Habe mir Focal Pro von Reikan gekauft, da es insbesondere an der 70D vollautomatisch läuft. Das Programm unterstützt übrigens aktuell auch die “Dot-Tune” Methode, nennt sich in Focal jedoch “TurboCal” und scheint jedoch mit nur einem Bild auszukommen. Ich gebe aber zu, dass ich das Handbuch noch nicht gelesen habe. ;-)

Mein Canon EF 85mm f/1.8 USM sowie das EF 100mm f/2.8 Macro USM ließen sich perfekt einstellen und erhielten minimale Korrekturen. Sozusagen als Übung. Dann begann das Drama, als das Sigma 18-35mm f/1.8 DC HSM eingestellt werden sollte.

Wie bei Herrn Speckhardt gab es einen Bereich, in dem die Software aufgab; bei mir das der Weitwinkelbereich bei 18mm. Das geschah, als ich gemäß der Sigma USB-Dock Software für die Brennweiten 18mm, 24mm, 28mm und 35mm und pro Abstand von 0,28m, 0,35m, 0,5m und 2m/unendlich per Software kalibrieren wollte. Also insgesamt 16 Messungen. Klappte jedoch nicht.

Zwar unterstützt Focal Pro wie erwähnt die Dot-Tune Technik, aber auch das klappte nicht wirklich. Also von Hand gemacht und alle 16 Messpunkte per Dot-Tune von Hand überprüft. Da gab es Bereiche, in denen der Fokus bei +20 noch passte, ergo konnte ich dort nicht das “Ende am rechten Rand” ermitteln. Pro Messung erhielt ich also einen stabilen AF bei “x bis y” und konnte als Mittelwert aus x und y dann z berechnen. Ich hätte die Werte dann so in der Sigma-Software eingegeben, aber ich erinnerte mich noch an den Tipp von Herrn Speckhardt, die Werte zu halbieren.

Danach habe ich Focal Pro mit dem so eingestellten Objektiv erneut bei 18mm und 35mm durchgeführt und die Software bescheinigte mir -2 bei 18mm und -2 bei 35mm als AFMA-Werte in der 70D. Interessant war dabei, dass nun der Weitwinkelbereich bei 18mm von Focal Pro als “Fit: Excellent” aber nun der Telebereich bei 35mm als “Acceptable” ermittelt wurde. Zu Beginn war dies umgekehrt.

Ich habe danach per LiveView und Lupe sowie mit “AF Quick” (so dass zum Fokussieren auch der Phasen-AF genutzt wird) mal in unterschiedlichen Entfernungen und bei verschiedenen Brennweiten probefokussiert und siehe da, das passte nun sehr gut! Der Bereich bei 35mm wird evtl. noch ein paar Anpassungen über das Sigma Dock brauchen, aber der Punkt ist: ich habe wieder etwas mehr Vertrauen in dieses Objektiv.

Ich will mich an dieser Stelle noch nicht in Jubel ausbrechen, sondern werde das Objektiv am Wochenende noch genauer testen. Hoffentlich bestätigt sich im Feld der gute Eindruck zu später Stunde.

Super finde ich bisher aber auf jeden Fall die Software von Reikan und werde damit meine anderen Objektive am Wochenende mal durchchecken. Zumindest die Festbrennweiten und die lichtstarken Zooms.

Zweites Update vom 04.06.2016:

Durch die beiden Links auf diesen “There is no perfect lens” und diesen Artikel “How AF often works” bei LensRentals.com muss ich einsehen, wohl am Boden der Sache Autofokus angekommen zu sein. Wie ich auf meiner Wanderung gestern durch den Oberthaler Bruch gemerkt habe, bin ich in manchen Situationen mit AF über LiveView (Kontrast-AF) bzw. der zehnfachen Lupe im LiveView und manuellem Fokus besser unterwegs.

Ich habe eingesehen, dass der AF hilft, aber nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist. Davon abgesehen habe ich mit einer echten Spiegelreflex eben alle drei Systeme an der Hand: Kontrast-AF, Phasen-AF und manuelles Fokussieren. Eigentlich garnicht so schlecht, oder? Wenn also eine meiner Linsen nächstens nicht so perfekt im Phasen AF trifft, kann ich das durch 1:1 Ansicht schon auf der Kamera sehen oder ich nehme dafür gleich den Kontrast-AF. Oder wie im Falle des Käfers bei der letzten Foto-Wanderung, manuelles Fokussieren.