Kleines Objektiv-Fazit

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Das große Upgrade meiner Foto-Ausrüstung fand ja Anfang bis Mitte 2014 statt. Da möchte ich ein paar Worte zu den Objektiven verlieren, die ich seither gekauft habe bzw. die ich testen konnte.

Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM (ca. 230€)
Canon EF-S 18-55mm 1:3,5-5,6 IS STM (eBay aus Kit ca. 100€)
Canon EF-S 55-250mm 1:4-5,6 IS STM (NP ca. 200€)

Nach wie vor begeistert bin ich von den drei Zooms von Canon mit Steppermotor (STM). Alle drei sind sehr leicht, ordentlich verbaut, haben einen Bildstabilisator sowie einen nahezu unhörbaren Autofokus und sind unglaublich günstig. Die Lichtstärke ist durchschnittlich und alle drei haben lediglich einen Bajonett-Anschluß aus Plastik. Nach zwei Jahren ist mir bei keinem der drei Objektive am Plastikbajonett etwas abgebrochen, wurde locker oder verursachte Kontaktschwierigkeiten. Der Plastik-Anschluß ist also definitiv kein Nachteil.

Das 10-18er ist außer jeder Konkurrenz, denn in diesem Brennweitenbereich gibt es nichtmal entfernt eine (preislich vergleichbare) Alternative. Die Schärfe dieses Objektivs ist nicht ganz so gut wie die des 18-55 oder des 55-250ers, aber dennoch mehr als brauchbar. Ein solches Ultraweitwinkel-Objektiv für Crop-Kameras bei einem Preis von ca. 230€ ist schlicht und ergreifend fantastisch!

Vergleich mit Tamron 70-300 f/4-5.6 Di VC USD (NP ca. 280€)

Die Schärfe des 18-55 sowie des 55-250 ist bei beiden wirklich herausragend. Farbsäume gibt es ebenso so gut wie keine. Das Zoom (55-250) macht dabei eine deutlich bessere Figur als das Tamron 70-300 Di VC USD, das sich Joachim gekauft hat. Preislich liegt das Tamron ca. 100€ über dem Canon und unterliegt in allen Punkten dem Canon deutlich: schwerer (auch nicht gerechtfertigt durch die geringfügig bessere Anfangslichtstärke), der Bildstabi werkelt nervös und hörbar vor sich hin, der AF trifft nicht so präzise wie der beim Canon und die Bildqualität insbesondere am langen Ende ist deutlich schlechter, was sich in Farbsäumen und matschigen, kontrastarmen Details zeigt. Das Tamron ist zwar nicht schlecht, aber der Geheimtipp, der es früher einmal war, ist es aus meiner Sicht nicht mehr – der wäre nun das Canon. Wer es lieber groß und schwer mag und sich gar nicht mit einem Plastikbajonett anfreunden kann, dem sei das Tamron empfohlen.

Canon EF-S 18-135mm 1:3,5-5,6 IS STM (NP knapp 400€)

Als viertes Objektiv der STM-Zooms konnte ich auch das Canon EF-S 18-135mm 1:3,5-5,6 IS STM als Kit-Objektiv auf Joachims 70D testen. Es ist das einzige Zoom dieser Reihe mit Metallbajonett. Es ist von der Schärfe her geringfügig schlechter als das 18-55er STM, aber meines Empfindens nach besser als das 10-18mm STM. Ein (noch) leichter Reisezoom mit unhörbarem STM-Antrieb, den ich jederzeit dem Tamron 16-300mm F/3,5-6,3 DI II C/AF VC PZD vorziehen würde (siehe dazu einen Artikel über dieses Objektiv und einen weiteren zum Thema Innenfokussierung und Brennweitenverlust). Wer nicht zwischen den STMs 18-55 und 55-250 wechseln möchte, für den ist das 18-135er die beste Entscheidung.

Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM (NP ca. 310€)

Das 18-55 konnte ich aktuell mit dem Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM vergleichen. In der Lichtstärke unterliegt das Canon natürlich, im Rest jedoch nicht: FTM (Full-Time Manual) kann das Sigma nicht, da ist der Weg des Fokusrings weiterhin viel zu gering, außerdem dreht sich dieser im Autofokus mit – unangenehm, wenn man den Finger drauf hatte. Lichtstärkebedingt ist das Sigma deutlich schwerer, hat dafür aber ein Metallbajonett. Jedoch rasselt der Bildstabi im Sigma bei ausgeschalteter Kamera (oder bei getrenntem Objektiv) derart, dass ich anfangs die Befürchtung hatte, es wäre defekt. Defekt ist es offenbar nicht, scheinbar liegt das Rasseln daran, dass der Bildstabi wegen des Weitwinkel-Anfangsbereichs mehr „Freiheit“ braucht und sich dementsprechend mehr hin und her bewegt (las ich so ähnlich). Dennoch hatte ich mir dieses als bestens aus den „lichtstarken 3 für Canon Crop-Kameras“ herausgesucht.

Das Tamron 17-50mm f/2.8 Di II (VC) hatte ich noch nicht in der Hand, jedoch unterliegt es in einschlägigen Tests bzgl. Schärfe deutlich. Im Vergleich zum Sigma kann man keine direkte Aussage machen, ob das Tamron oder das Sigma besser ist. Aber: das Tamron hat keinen Ultraschallmotor für den AF und jener ist damit deutlich hörbar und lt. Tests auch langsamer im Fokussieren.

Update 28.03.2016: hatte das Sigma auf einer Hochzeit im Einsatz und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das klackern des Bildstabis im ausgeschalteten Zustand stört nicht mehr und die Bildqualität ist absolut top. Das Klackern ist vorallem dann deutlich, wenn man es Frontlinse nach oben hält. Aber dann rasselt auch z.B. das Tamron 70-300. Die Canons mit IS jedoch nicht.

Update 17.06.2016: es ist zu meinem Standard-Zoom geworden, auch nach dem Kauf des Sigma 18-35mm f/1.8 (siehe unten) und damit kann ich es als solches uneingeschränkt empfehlen.

Canon EF-S 24mm f/2.8 STM Pancake (NP ca. 140€)

Winzig und witzig, günstig; nur für Crop-Kameras. Im Gegensatz zu den STM-Zooms ist der STM hier deutlich hörbar. Ob das extra für Videos gedachte Objektiv dafür geeignet ist, da habe ich meine Zweifel. Dürfte nach dem Kauf des Sigmas 17-50mm f/2.8 (siehe unten) noch seinen Zweck als leichtes Objektiv zum Wandern erfüllen.

Update 17.06.2016: da ich es kaum verwende, es andererseits aber auch nicht teuer war, läuft es in Gefahr, im Schrank zu verstauben. Vielleicht findet es aber nach dem Kauf des Tamron 16-300mm doch noch irgendwie den Weg in die eine oder andere Tasche beim wandern.

Canon EF 50mm f/1.8 II und STM (NP 100-120€)

Das Normalobjektiv schlechthin. Wäre es an einer Vollformat, für die beide Objektive möglich sind. Für eine Crop-Kamera tendiert es zu einem Portraitobjektiv. Beide sind sehr lichtstark und dennoch sehr günstig. Das STM ist genauso hörbar im AF wie das 24er Pancake und das ältere Modell II fokussiert mit typisch nervigem Mikromotor. Bis zum Erscheinen des neueren STMs war es jedoch der günstige und gute „Joghurtbecher“ für Portraits an Crop-Kameras. Das neue STM hat auch eine bessere Vergütung, so dass es keinen Grund mehr gibt, die alte „II“ Version zu kaufen. Mit 50mm ist es für APS-C-Kameras eine ideale Portrait-Linse, da das „eigentliche“ Portrait-Objektiv, ein Canon EF 85mm f/1.8 (siehe unten) für Crop-Kameras meiner Meinung nach schon zu lang ist.

Canon EF 85mm f/1.8 USM

Der Klassiker. Als Portraitobjektiv für Vollformat gedacht, ist es für Crop-Kameras schon ein sehr lichtstarkes Teleobjektiv. Nachteil sind die teilweise extremen Farbsäume. Ansonsten sehr scharf, bietet auch ein sehr schönes Bokeh. Üblicherweise bei ca. 330€, ggf. um 50€ günstiger im Rahmen einer (Sommer-) Promotion von Canon.

Update 28.03.2016: an sich ein tolles Objektiv, aber die Farbsäume sind schon sehr krass. Definitiv eine Diva unter den Objektiven! Ob es tatsächlich Chromatische Aberrationen in der Schärfeebene oder longituale/axiale Aberrationen im Unschärfebereich sind, kann ich letztlich nicht 100%ig klären. Aber so oder so sind diese Bildfehler selbst in Lightroom nur schwer wegzurechnen. Gerade dann, wenn z.B. der Bräutigam ein weißes Hemd mit schwarzem Anzug und Blumen im Revers mit gleicher Farbe wie die Farbsäume hat. Als Ergebnis sind entweder die Aberrationen weg aber die Blumen grau oder eben nicht und dafür bleibt die Blume farbig. Schon sehr nervig! Zur Not bleibt nur ein klassisches Schwarzweiß-Bild.
Weiterhin ist es als Portrait-Linse für Crop-Kameras einfach zu lang. Ich hatte es bei einem Paar-Shooting mal dabei und da wäre das 50mm Objektiv definitiv die bessere Wahl gewesen.

Update 16.07.2016: wegen der krassen Farbsäume habe ich es seit dem Kauf kaum verwendet. Vielleicht wird es wieder an einer Vollformat-Kamera interessant.

Canon EF 100mm f/2.8 USM Macro

Ein von der Konstruktion her sehr altes Objektiv, schwer, aber sehr scharf mit geringster Nahgrenze für ca. 350€. Eben ein echtes Macro. Hat im Gegensatz zum über doppelt so teurem Nachfolger keinen Bildstabilisator. Wegen des hohen Gewichts eher für spezielle Gelegenheiten, dort aber perfekt. Unbedingt mit einem Stativ verwenden.

Sigma 18-35mm f/1.8 DC HSM „Art“ (NP ca. 700€)

Hinzugekommen Ende März 2016, ein Update folgt bald. Das erste Objektiv, das ankam, hatte einen heftigen Frontfokus, der sich nicht mit dem USB-Dock beheben lies. Das Ersatz-Objektiv war zwar auch nicht fehlerfrei, ließ sich aber mit dem USB-Dock korrigieren. Davon einmal abgesehen ist das Teil eine Wucht und mit dieser Lichtstärke in dem Brennweitenbereich 18-35mm konkurrenzlos. Scharf ist es -sofern man den Fokus-Problemen mit dem USB-Dock und Sigmas Software beikommt. Mehr Infos – auch über das Thema Garantieverlängerung und Amazon findet sich hier. Auch das zweite fokussierte nicht immer richtig, was mir leider erst nach Ablauf der Rückgabefrist auffiel. Dank eines anderen Bloggers konnte ich dem Problem aber einigermaßen beikommen (in diesem Artikel beschrieben).

Tamron 70-200m f/2.8 VC USD (NP ca. 1100€)

Canon oder Tamron. 2000€ oder 1100€. Berufsfotografen werden zum Canon greifen, alleine schon wegen des CPS. Für mich als Amateur „reicht“ das Tamron. Doch wer meint, damit ein zweitklassiges Objektiv zu bekommen, irrt gewaltig. Man bekommt ein erstklassiges Objektiv, mit dem wunderbare Aufnahmen entstehen und das eine sehr hohe Auflösung bietet. Bei einer dermaßen geringen Tiefenschärfe immer den Fokus richtig zu treffen, ist allerdings eine Herausforderung, die hinter der Kamera gemeistert werden muss und nicht zwangsläufig als Fehler seitens des Objektivs oder Kamera zu suchen ist. Trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass man mit diesem Objektiv wohl eine neue Fototasche braucht und spätestens jetzt damit beginnt, etwas für die eigene Fitness zu tun. Denn das Gewicht mit 1.5kg dürfte das größte Gegenargument sein.

Tamron 16-300mm f/3.5-6.3 VC PZD Macro (NP ca. 500€)

Ein Reisezoom. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Erst im zweiten Anlauf war ich von diesem Objektiv überzeugt. Kann man mit den Nachteilen leben, erhält man ein einziges, leichtes Universalobjektiv mit einer Abbildungsleistung, die (mittlerweile) doch besser als ihr Ruf ist. Ich habe dazu einige Artikel geschrieben, der Einstieg wäre dieser hier.

Tamron SP 150-600mm f/5.0-6.3 VC USD (NP ca. 900€)

Seit Anfang August 2016 habe ich dieses Supertelezoom-Objektiv speziell für die Tierfotografie gekauft. Kurz gesagt ist es ein sehr gutes Objektiv, das allerdings sehr lichthungrig ist. Lichtstärker bedeutet dann jedoch auch preislich einen deutlichen Sprung nach oben. Ich habe ein Fazit zu diesem Objektiv in einem eigenen Artikel geschrieben.

Fazit

Wer neu einsteigt oder seine alte EOS Digital mal aufrüsten möchte, dem seien die drei STM-Zooms 18-55mm, 55-250mm und auch das 10-18mm wärmstens empfohlen. Zusammen mit dem 50mm STM hat man damit eine sehr gute Erstausrüstung. Die nächste Stufe wären durchgängig lichtstarke Zooms oder alternativ lichtstarke Festbrennweiten, wenn zum Wechseln immer Zeit ist. Alle anderen Objektive sollten nur bei tatsächlichem Bedarf dafür in Betracht gezogen werden.

Gerade Anfängern rate ich aber, sich den Kauf günstiger Kameras bzw. Objektive gut zu überlegen. Zwar kann man selten in die Zukunft schauen, aber hat man erst einmal eine dreistellige Canon für ca. 500-700€ gekauft, kann man nach einem oder zwei Jahren nur schwer rechtfertigen, warum man diese dann mit Verlust verkauft, um eine semi-professionelle Kamera wie die 80D für gute 1000€ zu kaufen. Gleiches gilt für Objektive: lieber kein Kit-Objektiv zur Kamera kaufen sondern das Gehäuse einzeln und dazu einen lichtstarken Standard-Zoom wie das oben erwähnte Sigma 17-50mm f/2.8 EX DC OS HSM.

Wer keine Lust zum Objektivwechsel hat und mit einem einzigen zufrieden sein möchte, dürfte mit einem Reisezoom wie dem Tamron 16-300mm glücklich werden – sofern man sich der Nachteile bewusst ist und mit diesen Leben kann.

Vollformat

Wer nicht auschließen möchte, einmal auf Vollformat zu wechseln, wird das bei seiner Wahl der Objektive berücksichtigen müssen. Da macht ein Canon 17-40 f/4 L USM bzw. ein 16-35 f/4 L II USM mehr Sinn als ein Sigma 17-50mm f/2.8, da die beiden Canons am Vollformat dann einem Weitwinkelzoom entsprechen wohingegen das Sigma an einer Vollformat-Kamera nicht mehr nutzbar ist. Ein 16-35mm Objektiv wäre dann z.B. gut mit einem 24-70mm oder einem 24-105mm zu ergänzen, jedoch trägt man an einer Crop-Kamera dann immer zwei Objektive mit sich herum, wo andere z.B. mit einem Sigma 17-70mm f/2.8-4.0 Contemporary nur eines montiert haben, das unter Umständen auch noch leichter ist.

Mit Crop-Kameras anzufangen, aber Objektive im Hinblick auf einen möglichen Umstieg auf Vollformat auszuwählen bleibt immer ein Kompromiss, daher sollte man sich überlegen, ob man nicht direkt eine Vollformat-Kamera kauft. Bei Nikon finde ich den Einstieg derzeit verlockender als bei Canon, da eine D750 im Gegensatz zu einer 6D die modernere Kamera ist. Bei Canon findet sich nur die betagte 6D mit aus meiner Sicht arg heftigen, künstlichen Beschränkungen und der Preissprung auf die nächst-höhere Klasse in Form der Canon 5D Mark IV ist meiner Meinung nach viel zu hoch (ca. 3.800€). Aber zum einen dürfte der Preis für die 5D4 noch fallen und Gerüchten nach ist Anfang 2017 mit einer neuen 6D zu rechnen. Die Chancen, eine „80D mit Vollformat-Sensor“ zu erhalten, dürften aber leider eher gering sein, auch wenn das im Prinzip meine Idealvorstellung einer Einsteiger-Vollformat wäre.

 

Der ursprüngliche Artikel erschien am 11.02.2016 und wurde das letzte mal am 29.08.2016 aktualisiert.

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