Energiespar-Regler: Höhere Heizkosten durch elektronische Thermostate?

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Der Titel klingt konträr zum Werbeversprechen und eigentlich paradox, doch dazu folgendes: in unserem Haus gibt es überall bereits elektronische Heizmesser, also keine Verdunstungsröhrchen, sondern ein kleines Gerät, das Einheiten hochzählt, wenn die Heizung läuft. Bisher habe ich im Bad immer die Heizung auf 1 gestellt, als noch ein ganz normaler mechanischer Thermostat benutzt wurde. Für die 20 Minuten, die ich morgens dusche, reichte somit ein kleiner Heizlüfter und die Heizung blieb auf 1. So zählte die Heizung in den letzten 3,5 Monaten von 0 auf 8 Einheiten hoch. Das Bad ist der einzige Raum, bei dem der Rolladenkasten nicht extra gedämmt wurde.

Mit dem zeitgetsteuerten Thermostat ist das natürlich anders: morgens stellt sich die Heizung um 6.20 auf 20°C und um 7.00 Uhr wieder auf 16°C. Das merke ich auf dem Verbrauchszähler aber schon deutlich: da die Heizung morgens eben “hochbollert”, spricht der Zähler eben mehr an: drei Einheiten mehr alleine in den letzten 3 Tagen. Gut, dafür brauch ich keinen Heizlüfter mehr. Kann man aber schlecht direkt in Euro vergleichen: 2kW x 25 Cent auf 20 Minuten ergibt 16,7 Cent pro Tag oder 5 Euro im Monat – im Vergleich zu wieviel mehr Heizkosten?

Das dürfte dann das Problem sein, worüber ich und Joachim schon seit längerem grübeln: was ist besser: die Heizung konstant auf einem eher niedrigen Niveau zu halten (im Falle des Bads 18°C) und sich des Nachts nur auf die Nachtabsenkung der zentralen Ölheizung zu verlassen oder per zeitgesteuerten, elektronischen Regler dann zu heizen, wenn man einen Raum (voraussichtlich!) benutzt. Bei letzterer Methode hat man dann eben Heizspitzen, die am Heizkörper selbst die Einheiten hochtickern lassen. Dann las ich aber in der Anleitung des Thermy, dass das Sparpotential am besten ist, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Absenkung und normaler Temperatur 4°C beträgt.

Worauf ich hinaus will: Energie sparen und Geld sparen sind nicht unbedingt das gleiche. Tickt der Zähler an der Heizung kaum hoch, weil die Heizung immer konstant auf 1 (also bei 16°C) steht, bildet das Hocktickern des Zählers über einen elektronischen Thermostat mit Zeitsteuerung doch schon deutlich schneller voran. Ob das dann dem tatsächlichen Verbrauch wiederspiegelt, da bin ich mir nicht so sicher, kann meine Zweifel aber auch nicht weiter belegen.

Um die Frage von eben wenigstens im Ansatz zu beantworten: das Absenken der Temperatur zu nicht genutzten Zeiten macht dann Sinn, wenn man nicht in einem hochgedämmten (Passiv-) Haus wohnt. Denn in einem normal gedämmten Haus verpufft mehr Heizleistung zu ungenutzten Zeiten als es später Heizleistung kostet, um wieder eine höhere Temperatur zu Nutzzeiten zu erreichen. Bei Passivhäusern ist der “Heizschwund” in Nebenzeiten so gering, dass sich ein Absenken nur über längere Abwesenheitszeiten lohnt (z.B. während des Urlaubs).

Letztenendes darf man dabei das Gesamtbild nicht vergessen, nämlich das verbrauchte Öl der Heizanlage insgesamt. Und da gibt es verschiedene Faktoren, die ein derart genaues (manche sagen knauseriges) Heizregelverhalten bereits ad Absurdum führen: wenn andere Mieter z.B. den ganzen Tag Fenster gekippt lassen oder es daheim eben gerne “schön kuschelig” bei 24°C haben wollen, zahlen das automatisch die anderen Mieter mit, denen 19°C völlig ausreichen. Mit anderen Worten: man selbst kann viel tun – sparen, ohne den eigenen Komfort zu schmälern – aber was die Heizabrechnung betrifft, ist man maßgeblich von Mitmietern abhängig.

Lustig sind übrigens viele der tollen Beispielszenarien im Internet, die für elektronische Thermostate werben sollen: da ist die Rede von “24°C im Bad, 24 Stunden am Tag” – mal ehrlich: bei wem normale Thermostate so eingestellt wird, der hat noch viel zu lernen und kann auch ohne elektronische Thermostate kräftig sparen. Anders gesagt: wer eh schon auf sein Heizverhalten achtet, wird vermutlich mit elektronischen Thermostaten nicht mehr viel herausholen können. Dennoch bietet aber gerade die Zeitsteuerung ein Zuwachs an Komfort.

Ein Kommentar

  1. Cheesus sagt:

    Eine Ölheizung haben wir auch zu Hause, aber dafür keine Thermostate. In einem Passivhaus leben wir auch nicht. Bei uns ist das ganze so. Wir stellen die Heizkörper eigentlich immer nur auf die 2 oder 3. Danach sind oftmals 20 Grad im Zimmer und das reicht uns vollkommen aus. Die Heizkörper laufen bei uns aber nicht rund um die Uhr. Abends sind diese meistens nur auf der 1. Vorteilhaft ist so ein Thermostate ja schon. Man kann gezielt eine Zeit einstellen und man hat es dann zum Beispiel früh im Bad schön warm.

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